8 Tipps für pflegende Angehörige von Demenzkranken

Das Thema Demenz begegnet uns eigentlich ständig. 2019 gab es in der Schweiz 131'300 Erkrankte, Tendenz stetig steigend. Der Begriff Demenz kommt von lat. Demenzia und bedeutet «ohne Geist, ohne Verstand». Und genau das ist es, was uns so hilflos macht. Die Menschen, die wir kannten, verlieren ihr kostbarstes Gut, ihren Geist, und so wie ihr Wesen für uns entschwindet, verschwindet für sie die Welt um sie herum.

Demenzkranker Mann mit seiner Frau.

Demenzkranker Mann mit seiner Frau.

Pflegende Angehörige von Demenz-Patienten benötigen Unterstützung


Pflegende Angehörige sind oft überfordert und extreme Fälle zeigen uns, wie gross die Verzweiflung werden kann. So erstickte im November 2020 in Deutschland ein 92-Jähriger seine demente Partnerin, die er zu Hause gepflegt hatte. Katastrophen wie diese verdeutlichen die missliche Lage der Angehörigen und werfen ein Schlaglicht auf die aktuelle Pflegesituation. Immer wieder zeigt sich das Problem, dass Angehörige sich nicht trauen, Hilfe anzunehmen.

Hier geben wir Ihnen Tipps, wie Sie mit Demenzkranken umgehen können und welche Unterstützung Sie sich holen können:

Tipp 1: Informieren Sie sich über das Krankheitsbild Demenzkranker

Es gibt diverse Einrichtungen wie die Alzheimer Stiftung, Spitex Einrichtungen, die Migros, u.a., welche unterschiedlichste Angebote zum Thema Demenz haben. Ausserdem gibt es mittlerweile viele Ratgeber für Betroffene und Angehörige (z. B. «Demenz – Den Alltag mit Betroffenen positiv gestalten» von Stefanie Becker). 

Tipp 2: Tagesablauf strukturieren

Für Demenzkranke ist es wichtig, wiederholende Abläufe und Routine zu erhalten. Ein Überangebot an Reizen irritiert sie und schnell kann es zu Überforderung und Unsicherheit führen.

Tipp 3: Gewohnheiten Demenzkranker

Am besten ist es, wenn liebgewonnene Gewohnheiten weiterhin unterstützt werden können. Alles Vertraute gibt den Erkrankten ein gutes Gefühl. Sie fühlen sich aufgehoben und sicher. Ein Kaffeetrinken mit Freundinnen oder ein regelmässiger Spaziergang sollte so lange als möglich beibehalten werden.

Tipp 4: Gelassenheit üben

Demenzkranke handeln überwiegend unlogisch. Sie haben ihren eigenen Kopf und eigene Vorstellungen. In der Regel sind sie nur schwer mit Argumenten zu überzeugen. Gefühlsschwankungen und Aggressionen sind Symptome der Krankheit. Bleiben Sie im Falle eines Konfliktes gelassen und versuchen Sie, durch Ablenkung den Blick der Betroffenen auf andere Dinge zu lenken. Keine Frage, dass dies sehr belastend sein kann. Suchen Sie auf jeden Fall rechtzeitig Hilfe bei entsprechenden Organisationen, wenn Sie glauben, nicht mehr weiter zu wissen.

Tipp 5: Nur keine Ungeduld mit Demenzkranken

Im Umgang mit Demenzkranken benötigen Sie jede Menge Geduld. Schnell geht hier nichts mehr. Das fängt schon beim Sprechen an. Reden Sie langsam und in einfachen Sätzen. Oftmals muss das Gesagte auch mehrmals wiederholt werden. Lassen Sie Ihrem Gegenüber genug Zeit für eine Antwort.

Tipp 6: Sich zurechtfinden

Welcher Tag ist heute? Wann muss ich wohin? Zeitliche und räumliche Orientierung fällt Betroffenen schwer. Ein grosser Kalender mit aktuellen Daten und eine grosse Uhr können helfen. Ebenso eine feste Stelle, an der z.B. eine Tafel steht, die entsprechend beschrieben werden kann.

Tipp 7: Schöne Erinnerungen

Die Vergangenheit spielt bei Demenzkranken eine wichtige Rolle, denn das Langzeitgedächtnis bleibt länger erhalten. Zusammen kann man über zurückliegende positive Ereignisse sprechen. Lassen Sie sich Geschichten aus der Kindheit der Betroffenen erzählen. Auf einer solchen Zeitreise kann man plötzlich ganz Neues aus dem Leben der Angehörigen erfahren.

Tipp 8: Sorgen Sie für sich selbst

Wirken Sie der eigenen Überforderung von Anfang an entgegen. Sie können dieser grossen Aufgabe nicht gerecht werden, wenn Sie nicht mit Ihren Ressourcen haushalten. Um immer wieder Energie auftanken zu können, sollten Sie sich Auszeiten schaffen. Hier können private Spitex Anbieter kurzfristig einspringen. Aber auch im Haushalt können Sie Unterstützung in Anspruch nehmen. Nutzen Sie die vielfältigen Hilfsangebote. Suchen Sie darüber hinaus, wenn möglich, den Austausch mit Menschen, die in der gleichen Situation sind.